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In unserer Kirche ist für mich manches befremdlich, z.B., dass die Berufung von Menschen nicht ernst genommen wird, weil sie neben der Berufung zum Priesteramt auch die Berufung zur Ehe in sich haben. Du musst dich entscheiden, heißt es dann. Beides geht nicht, obwohl es über 1.000 Jahre in der Kirchengeschichte gegangen ist und es in den katholischen Kirchen mit anderem Ritus immer noch geht. Weil diese Logik, dass der Zölibat wichtiger als Gottes Ruf sei, immer weniger verstehen, haben wir immer weniger Priester. Dieses Jahr gibt es z.B. gar keine Priesterweihe in unserer Diözese. Dieser Zustand ist beklagenswert.
Die positive Seite der Medaille ist allerdings, dass wir aufgrund dieser Misere Weltkirche erleben dürfen. Aus allen Ecken der Erde kommen Priester nach Deutschland, um die Seelsorge und vor allem die Spendung der Sakramente aufrecht zu erhalten. Mittlerweile tun bei uns Mitbrüder aus allen Erdteilen, außer Australien, ihren Dienst. Ich habe großen Respekt und bin dankbar für dieses Engagement meiner ausländischen Kollegen. Sie haben ihre Heimat verlassen, müssen sich mit anderen Mentalitäten und anderen Werten auseinandersetzen, müssen eine schwierige Sprache erlernen und stehen unter einem enormen Anpassungsdruck, denn die Richtlinien deutscher Pastoral scheinen manchmal noch wichtiger als die 10 Gebote. Mögen bei manchem von ihnen auch die Neugier auf Neues und die Abenteuerlust eine gewisse Motivation schenken, nach Deutschland aufzubrechen, ein leichtes Spiel ist es m.E. für keinen, und viele müssen zumindest phasenweise mit Rollenunsicherheit und Einsamkeit kämpfen. Wir aber bekommen die Internationalität und spirituelle Vielfalt der Kirche frei Haus geliefert. Früher waren die deutschen Gemeinden vor allem die Gebenden, die mit ihrer finanziellen Hilfe die Kirche in der Welt unterstützten. Jetzt sind wir auch die Empfangenden und Beschenkten. Wie schön!
Auch wir in Aalen haben wieder das Glück, einen Priester aus Übersee begrüßen zu dürfen. Es ist der indische Pfarrer Arul Thanasseelan, kurz genannt Seelan. Jüngst 50 Jahre alt geworden, aus dem indischen Bundesstaat Tamilnadu stammend, ist er seit mehr als drei Jahren in Deutschland und wird nun Teil des Pastoralteams in unserer Seelsorgeeinheit. (Im Pfingstgemeindebrief hat er sich bereits vorgestellt.) Ganz scharf sind seine Aufgabenfelder noch nicht, denn erst Ende September werden diese neu umschrieben, aber dass seine Kernaufgaben in Predigt, Sakramentenspendung und Liturgie liegen werden, liegt auf der Hand. Sicher ist, dass er unseren Horizont weiten wird, dass durch kulturelle Missverständnisse und deren Klärung neue Einsichten wachsen werden und dass der Glaube uns bei allem verbinden wird. Ich bin gespannt und freue mich auf Begegnungen, Gottesdienste, Ideen, Diskussionen mit ihm.
Danke Seelan, dass du nach Deutschland gekommen bist, um mit uns Glauben zu wagen und zu leben. Dir Freude, gelingende und bereichernde Begegnungen, tiefe spirituelle Erfahrungen und das Gefühl, hier an dem Ort zu sein, an den Gott dich gestellt hat. Herzlich Willkommen in Aalen.

Dein Kollege Wolfgang Sedlmeier


Die Begrüßung von Pfarrer Seelan ist am Sonntag, 1. August, 10.30 Uhr, in der Salvatorkirche.
Anschließend sind Sie eingeladen, ihn bei einem Stehempfang persönlich kennenlernen.